Mala Zimetbaum

„Ich werde als Heldin sterben, du verreckst wie ein Hund!“

Mala Zimetbaum (1942)

Malka („Mala“) Zimetbaum (1918-1944)wuchs in einer polnischen Familie ab den 1920er-Jahren in Belgien auf und trat als Jugendliche einer jüdischen Organisation bei. Sie studierte und arbeitete bereits während ihres Studiums in der Modebranche und als Übersetzerin, da ihr erblindeter Vater die Familie nicht mehr ernähren konnte. 1940 ging Mala infolge der deutschen Besetzung Belgiens in den Untergrund, wurde aber im Juli 1942 von der Gestapo verhaftet und im September schließlich nach Auschwitz deportiert.
Im Frauenlager Birkenau wurde sie aufgrund ihrer vielfachen Sprachkenntnisse als Dolmetscherin und auch zur Verrichtung von Büroarbeiten eingesetzt. Zu ihren Aufgaben gehörte es, Häftlinge, die aus dem Häftlingskrankenbau als gesund entlassen wurden, Arbeitskommandos zuzuweisen, wobei sie kranke Häftlinge vor bevorstehenden Selektionen gewarnt haben soll. Von Beginn an nutzte sie alle Möglichkeiten, um die Befehle zu unterlaufen. Sie fand Wege, Nachrichten nach außen zu schmuggeln sowie auch Schmuck Internierter, der hätte abgegeben werden müssen.

Mala Zimetbaum schaffte es zudem, Kinder vor dem Abtransport ins KZ zu bewahren, indem sie sie von den Deportationslisten strich. Viele Überlebende bestätigten, dass sie durch Mala gerettet wurden, indem sie zum Beispiel Essen oder Kleidung organisierte, Medikamente auftrieb oder dafür sorgte, dass Schwache leichtere Arbeit zugeteilt bekamen. Sie soll auch Informationen von außen über die Weltlage im Lager weitergegeben haben. Sie versuchte, über Verwandte von Insass*innen in anderen Lagerblöcken etwas zu erfahren und Austausch herzustellen. Um noch Lebende zu retten, setzte sie Tote auf Selektionslisten. Außerdem war sie eine der wenigen Personen, der die Flucht aus einem Konzentrationslager gelang: Am 24. Juni 1944 floh sie gemeinsam mit ihrem polnischen Geliebten Edek Galiński, der als politischer Häftling in Auschwitz inhaftiert war, in einer SS-Uniform als Aufseher verkleidet und versuchte dabei, Listen mit Namen von Deportierten, zu denen sie durch ihre Bürotätigkeit Zugang hatte, nach außen zu schmuggeln, um die Welt von den Vorgängen in Auschwitz in Kenntnis zu setzen.

Am 6. Juli wurden die beiden jedoch an der Grenze zur Slowakei gefasst und zurück nach Auschwitz gebracht. Nachdem sie verhört und wohl auch gefoltert wurde, wurde Mala Zimetbaum zum Tod durch Erhängen verurteilt. Zunächst wurde sie allerdings in den Strafbunker gesperrt, wo sie schwere Misshandlungen erfuhr. Dennoch berichteten Mitgefangene, dass ihre Haltung stark und gefasst war. Die Lagerleitung wollte durch ihre Hinrichtung ein Exempel statuieren; das gesamte Lager sollte dieser beiwohnen. Mala hatte es jedoch geschafft, sich heimlich Rasierklingen zu organisieren, und es gelang ihr, sich damit unmittelbar vor der Hinrichtung die Pulsadern aufzuschneiden. Als ein SS-Aufseher darauf aufmerksam wurde und ihr die Klingen wegnahm, schlug sie ihn mit ihren blutenden Händen ins Gesicht und rief: „Ich werde als Heldin sterben, du verreckst wie ein Hund!“.

Infolge dieses Akts selbstbewussten Widerstandes einer Jüdin wurde Mala von den Aufseher*innen, brutal misshandelt, geschlagen und getreten und die Aufseher*innen verfügten, sie im Krematorium lebendig zu verbrennen. Augenzeug*innen berichteten, dass Mala noch zuvor verstarb. Sie wollte kein Opfer sein, unterwarf sich den Nazis nicht, verteidigte die Würde des Menschen und liebte, wo Liebe nicht erlaubt war. Sie hinterließ Solidarität, Leidenschaft, Widerstand, Würde und Liebe.

Hier könnt ihr den Flyer herunterladen und Frauen*geschichte sichtbar machen:

Mala Zimetbaum

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