16.05.2018         19.30 Uhr       Laika Neukölln, Emser Straße 131
Wir kennen das ja: Etwa seit 2010, spätestens seit 2013 erstarken AfD, Pegida und Konsort*innen. (1) Sie schüren dabei den Hass auf Geflüchtete, hetzen gegen Muslim*a und kämpfen für die sexuelle Selbstbestimmung der Frauen*. Stopp – was?!

Eigentlich sind Konservative und extrem Rechte nicht für ihre progressiven Geschlechtervorstellungen bekannt. Und tatsächlich fordert die AfD ganz offen „gesetzliche Korrekturen“ um einen „wirksamen Lebensschutz zu erreichen“, Martin Sellner (Identitäre Bewegung, IB) möchte Frauen in Frauenhäusern aufreißen und auf Pegida-Demonstrationen wird gerne mal die „Verweiblichung“, sprich die „mangelnde Wehrhaftigkeit“ deutscher Männer angeprangert.

Also alles beim alten?

Nicht ganz. Zum einen zeigen sich in den neueren rechten Gruppierungen starke Frauen* an der Spitze – denken wir etwa an Alice Weidel und Beatrix von Storch in der AfD, an Marine Le Pen im Front National, an Alina Wychera und Melanie Schmitz in der IB und an Tatjana Festerling bei Pegida. Zum anderen scheint auch inhaltlich ein sogenannter „Kampf um die Frauenrechte“ im Sinne einer Verteidigung deutscher Frauen gegen vermeintlich migrantische Täter zum Schlagwort der Neuen Rechten zu werden. Beispiele hierfür sind der von der AfDlerin Leyla Bilge organisierte rassistische „Frauenmarsch“ in Berlin, der sich am 9. Juni wiederholen soll (save the date!) oder die Kampagne #120db der IB, die eine Art rechtes #MeToo sein will.

Mit dem überkommenen Bild der rechten Frau* als „Heimchen am Herd“ ist der Neuen Rechten ganz offensichtlich nicht beizukommen. Im Gegenteil müssen auch linke Akteur*innen aufpassen, rechten Frauen* nicht die eigene Agenda und Handlungsfähigkeit abzusprechen. Sexismus gegen Rechts war schließlich noch nie ein gutes Konzept. Stattdessen wollen wir mit Euch sowie unseren Gästen Juliane Lang und Julia Haas darüber reden, welche Rolle Frauen* heute in der Neuen Rechten einnehmen und woher die aktuelle Affinität für sogenannte „Frauenrechte“ in diesen Kreisen kommt. Spannend ist dabei auch die Frage, ob Frauen* und Männer* hierbei unterschiedliche Agenden verfolgen. Wir selbst debattieren diese Fragen untereinander und freuen uns daher sehr über Einschätzungen aus dem Publikum!

Zu den Referent*innen:
Juliane Lang, beobachtet und analysiert die Bedeutung von Geschlecht in Ideologie und Handeln der extremen Rechten, Mitherausgeberin des kürzlich erschienenen Sammelbands “Antifeminismus in Bewegung. Aktuelle Debatten um Geschlecht und sexuelle Vielfalt.” (Marta Press Hamburg, 2018).
 
Julia Haas, studiert derzeit im Master Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena und schreibt ihre Abschlussarbeit zu Selbstbildern identitärer Frauen.“

(1) Mit dem Gender-Sternchen wollen wir darauf hinweisen, dass wir Geschlecht nicht als biologische Tatsache, sondern als gesellschaftliches Konstrukt verstehen. Wenn wir über konservative und rechtsextreme Kreise sprechen, unterscheiden wir zwischen deren Ideologie (in der es nur biologistisch begründete Geschlechter gibt) und ihrer Praxis (ja, es gibt rechte queere Personen).