Lucy Hicks Anderson

“I have lived, dressed and acted just what I am, a woman.
I defy any doctor in the world to prove that I am not a woman”

Lucy Hicks Anderson in Ventura, courtesy of Museum of Ventura County

Lucy Hicks Anderson (1886-1954) wurde 1886 in Waddy, Kentucky als Tobias Lawson geboren. Sie identifizierte sich jedoch als Frau und fing nicht nur an vermeintlich weibliche Kleidung zu tragen, sondern nannte sich selbst Lucy. Ihre Mutter akzeptierte schließlich ihren Wunsch und zog sie als Lucy auf (vgl. TransGriot, 2011).

Lucy schloss mit 15 Jahren die Schule ab, arbeitete in einem Hotel und heiratete. Während ihrer ersten Ehe, die sie im Jahre 1929 beendete, lebte sie im kalifornischen Oxnard. Dort war sie eine gefragte Köchin für Feste und Veranstaltungen und in der ganzen Gemeinde bekannt. Lucy arbeitete hart und schaffte es schließlich genügend Geld anzusparen, um ein eigenes Bordell zu eröffnen. Doch trotz dieser Arbeit, für die sie wiederholt kurzzeitig verhaftet wurde, (vgl. Minier, 2015) war sie ein geschätztes Mitglied der Gemeinde (vgl. Guerra, 2016).

Erst im Jahre 1944 wurde ihr nicht nur ihre Arbeit als Inhaberin eines Bordells sondern auch ihre im gleichen Jahr geschlossene zweite Ehe zum Verhängnis. Nachdem einige Soldaten, die das Bordell häufig besuchten, von Krankheit betroffen waren, wurde die Verantwortung dafür bei den Sexarbeiterinnen* und Lucy Hicks Anderson als Inhaberin gesucht, obwohl nicht klar bewiesen worden war, dass die Krankheiten dort ihren Ursprung hatten.

Die dort arbeitenden Frauen* wurden kriminalisiert und zu ärztlichen Untersuchungen gezwungen; auch Lucy Hicks Anderson wurde gegen ihren Willen zwangsuntersucht. Bei dieser Untersuchung wurde festgestellt, dass sie biologisch männliche Geschlechtsmerkmale aufwies. Nicht nur musste Lucy Hicks Anderson diese Zwangsuntersuchung über sich ergehen lassen, auch gelangte ihre Geschichte unmittelbar danach an die Öffentlichkeit und sie wurde des Meineids beschuldigt.

Sie kam also vor Gericht, da sie bei ihrer Eheschließung geschworen hatte, dass es keine rechtlichen Einwände gegen die Ehe gäbe. Da eine Eheschließung zwischen Mann* und Mann* aber den damaligen Gesetzen widersprochen hätte, wurde sie des Meineids beschuldigt. Während des Prozesses gegen sie wurde sie einige weitere Male gegen ihren Willen ärztlich untersucht. Doch Lucy Hicks Anderson ließ sich nicht einschüchtern; wörtlich sagte sie: „I defy any doctor in the world to prove that I am not a woman“. Doch trotz ihres Widerstandes wurde Lucy Hicks Anderson am 3.Dezember 1945 für schuldig befunden und bekam 10 Jahre auf Bewährung ohne Haftaufenthalt. Doch dabei sollte es leider nicht bleiben. Denn da sie ihr zweiter Ehemann Soldat war, bekam Lucy Hicks Anderson als dessen Ehefrau eine kleine finanzielle Unterstützung. Sie und ihr Mann wurden daraufhin ein zweites Mal verklagt, diesmal lautete die Anklage Betrug. Beide wurden schließlich zu Gefängnisstrafen verurteilt (vgl. Minier, 2015).

Lucy Hicks Anderson wurde also kriminalisiert und verurteilt, weil sie sich nicht versteckte und ein selbstbestimmtes Leben als Trans-Frau of Color führte.

Lucy Hicks Anderson war eine starke und mutige Trans-Frau, die sich gegen die Normen ihrer Zeit stellte!

Hier könnt ihr den Flyer herunterladen und Frauen*geschichte sichtbar machen:

Lucy Hicks Anderson

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Quellen :

TransGriot (2011) : Black Trans History: Lucy Hicks Anderson. Online abrufbar unter:
http://transgriot.blogspot.de/2011/08/black-trans-history-lucy-hicks-anderson.html (zuletzt aufgerufen am 24.02.18).

Minier, David (2015) : Before Caitlyn Jenner, there was Lucy Hicks. Online abrufbar unter : http://archive.vcstar.com/news/local/oxnard/before-caitlyn-jenner-there-was-lucy-hicks-ep-1356699260-347835751.html (zuletzt aufgerufen am 24.02.18).

Guerra, Tiffany (2016) : Lucy Hicks Anderson, Marriage Equality Advocate. Online abrufbar unter : http://yearofwomenshistory.blogspot.de/2016/04/lucy-hicks-anderson-marriage-equality.html (zuletzt aufgerufen am 24.02.18).