Lili Ilse Elvenes

„Ich kämpfe gegen die Voreingenommenheit des Spießbürgers, der in mir ein Phänomen, eine Abnormität sucht. Wie ich jetzt bin, so bin ich eine ganz gewöhnliche Frau.“

Lili Ilse Elvenes, Paris 1926

Lili Ilse Elvenes (1882 – 1931) oder besser bekannt als Lili Elbe erlangte nicht nur als Malerin Berühmtheit. Sie war auch eine der ersten intersexuellen Personen, die sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterzogen (vgl. Meyer, 2010, S.43f.; vgl. Bundesstiftung Magnus Hirschfeld). Sie wurde am 18.Dezember 1882 als Einar Magnus Andreas Wegener im dänischen Vejle geboren (vgl. Meyer, 2015, S.15; vgl. Bundesstiftung Magnis Hirschfeld). Lili besuchte die königliche dänische Kunstakademie in Kopenhagen, dort lernte sie auch ihre spätere Ehefrau kennen (vgl. Bundesstiftung Magnus Hirschfeld). Schon kurz nach der Eheschließung im Jahre 1904 begann Wegener für ihre Frau Gerda Wegener als Lili Modell zu stehen (vgl. Meyer, 2010, S. 35) und auch außerhalb der künstlerischen Inszenierung lebte Wegener oft als Lili (vgl. Meyer, 2010, S. 38).

Im Jahre 1930 entschloss sie sich schließlich, sich an das Berliner Institut für Sexualforschung zu begeben, wo dann die geschlechtsangleichende Operation durchgeführt wurde (vgl. Bundesstiftung Magnus Hirschfeld). Nach den Strapazen der Operation musste sich Elvenes aber noch mit zahlreichen bürokratischen Hürden auseinandersetzen. So zum Beispiel die geschlechtsbezogenen Änderungen in ihrem Pass und damit auch die Namesänderung, die sich als sehr schwierig gestaltete. So konnte Lili ihren Namen nicht etwa frei wählen, sondern musste diesen mit zahlreichen Behörden abstimmen. Sie machte einige Vorschläge bis 1930 der Name „Elbe“ genehmigt wurde (vgl. Meyer, 2015, S.306). Später jedoch wurde dieser Name ein weiteres Mal auf ihren Wunsch hin in Lili Ilse Elvenes geändert (vgl. Meyer, 2015, S. 314).

Neben den operativen Strapazen und den bürokratischen Hürden kam auch noch die mediale Aufmerksamkeit hinzu. So berichteten zahlreiche Medien über die geschlechtsangleichende Operation der Malerin, die das heteronormative zweigeschlechtliche Weltbild ins Wanken brachte. Durch diese journalistischen Darstellungen ihrer Geschichte wurde sie unter dem Namen Lili Elbe bekannt (vgl. Meyer, 2010, S. 39). Kurz nach ihrer letzten Operation, bei der ihr so wird vermutet eine Gebärmutter transplantiert werden sollte, stirbt Lili Ilse Elvenes im Jahre 1931. Woran sie gestorben ist und ob es sich dabei um Folgen der Operation handelt, lässt sich heute aufgrund von fehlender Dokumenten nicht mehr sagen (vgl. Bundesstiftung Magnus Hirschfeld).

So war es Lili Ilse Elvenes leider nur kurz vergönnt ihre Identität vollständig auszuleben!
Im Jahre 2015 erschien der Film „The Danish Girl“, der auf dem Leben von Lili Ilse Elvenes beruht und ihrer Geschichte neue Präsenz gibt.

Hier könnt ihr den Flyer herunterladen und Frauen*geschichte sichtbar machen:

Lili Ilse Elvenes

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Quellen:

Bundesstiftung Magnus Hirschfeld : Lili Elbe. Online abrufbar unter: http://mh-stiftung.de/biografien/lili-elbe/ (zuletzt aufgerufen am 23.02.2018).

Meyer, Sabine (2010) : Mit dem Puppenwagen in die normative Weiblichkeit :
Lili Elbe und die journalistische Inszenierung von Transsexualität in Dänemark.

Meyer, Sabine (2015) : „Wie Lili zu einem richtigen Mädchen wurde“ : Lili Elbe : zur Konstruktion von Geschlecht und Identität zwischen Medialisierung, Regulierung und Subjektivierung.

Rezension zum Film: http://queersehen.de/2016/01/17/the-danish-girl-ein-kunstfilm-schwimmt-auf-der-transwelle/