Ende Dezember veröffentlichten die Zapatistas ihre Einladung zum „Ersten internationalen Treffen der Frauen*, die kämpfen.“ Wir hatten Glück zum Zeitpunkt sowieso in Mexiko zu sein und registrierten uns. Zwei Monate lang stieg die Vorfreude. Nach über 3 Stunden in der Schlange durften wir es am 7. März 2018 endlich betreten: Das Veranstaltungsgelände der Zapatistas im Caracol Morelia (Chiapas)!

Für das Treffen haben die Zapatistas ihr Veranstaltungsgelände in Morelia extra erweitert: Über 3 Monate wurden Bühnen und Schlafgelegenheiten gebaut, Klos und Duschen aufgestellt, Seminarräume ergänzt… Ein fettes Danke an die Compas für die viele Arbeit!

„Willkommen Frauen* der Welt zur ersten internationalen politischen, künstlerischen, sportlichen und kulturellen Zusammenkunft der Frauen* die kämpfen.“

Hunderte Vorträge und trotzdem viele Zuhörerinnen* – Von indigenen Feminismen über Frauen* in Gewerkschaften, die Rolle der Liebe in der Politik und die Kenntnis des eigenen Körpers bis hin zum Verhältnis von Feminismen und Technik war vieles dabei.

Nicht nur zuhören – selber machen! In zahlreichen Workshops haben wir uns und die anderen Teilnehmerinnen* kennengelernt, GIFs erstellt, über unsere Aktivismen gesprochen und getanzt.

Die Wände sind für alle da! Die Zapatistas öffneten nicht nur ihr Gelände, sondern überließen uns auch dessen Gestaltung. Künstlerinnen* aus aller Welt hinterließen ihre Werke an den Mauern Morelias.

Nicht nur reden, auch was bewegen! Zum Beispiel sich selbst. Bei Basketball, Vollyball und Fußball kamen einige ins schwitzen.

…oder mit Rhytmus. Auch an musikalischer Bereicherung mangelte es nicht. Zappeln konnte wer wollte zu Rap, Cumbia, Singer/Songwriter, Elektro…

Revolutionsmerch… gibt’s überall.

„Alerta, alerta, alerta que camina – la lucha feminista por América Latina. Se cuiden, se cuiden, se cuiden los machistas – América Latina será toda feminista!“

Vier behinderte Frauen* sprachen in einem Vortrag über die Unsichtbarkeit behinderter Frauen* in feministischen Bewegungen: „Ich bin mir sicher, dass jede* von Euch eine Frau* mit Behinderung kennt. Warum habt ihr sie nicht eingeladen, ihr nicht die Reise und die Teilnahme möglich gemacht?“

Frauen* mit Sternchen. Eingeladen war, wer sich als Frau* definiert – egal, welche Körper wir haben, egal, wie andere uns einordnen. In einer Ausstellung erzählten Trans*frauen, queere, bisexuelle und lesbische Frauen* ihre Geschichte.

Gesundheit und die Kenntnis des eigenen Körpers war ein großes Thema des Treffens. An Ständen, in Gesprächskreisen und Workshops gab es zahlreiche Möglichkeiten, sich zu informieren.

In fast allen Staaten Lateinamerikas sind Schwangerschaftsabbrüche illegalisiert. Aktivistinnen* des argentinischen Netzwerkes „Socorristas en Red – Feministas que abortamos“ (http://socorristasenred.org/) stellten sich vor und erklärten, wie eine Abtreibung mit dem Medikament Misoprostol durchgeführt wird und wie sie abtreibende Personen telefonisch begleiten.

„In der Erinnerung lebendig.“ Feminizide (der Mord an als „weiblich“ eingeordneten Menschen aufgrund dieser Zuordnung) und das Verschwinden von Frauen* bleibt ein notwendiges, weil alltägliches Thema lateinamerikanischer Feministinnen*. Allein in Mexiko gab es 2017 durchschnittlich zwei Feminizide pro Tag.

„Bis sie gefunden werden. Ayotzinapa: Wahrheit, Erinnerung und Gerechtigkeit.“ In einem Brief bitten Angehörige der 43 verschwundenen Studierenden alle Anwesenden, die Verschwundenen nicht zu vergessen – denn die mexikanische Regierung möchte den Fall schließen und sie dem Vergessen übergeben. Schon während des Treffens wird klar: Hier wird niemand vergessen.

Weil sie nicht von den Bildern und Berichten von Dritten abhängig sein wollen, haben die Zapas ihre eigene Medien- und Dokumentationsbrigade: die Tercios Compas. Soweit wir es gesehen haben wurden, alle Aktivitäten, Reden, Vorträge, Theater und Konzerte gefilmt. Vieles davon wird bald auf http://enlacezapatista.ezln.org.mx/ zu finden sein. Schaut doch mal rein!

Kuschelig war’s. Die Organisatorinnen* erklärten das in ihrer Abschlussrede so: „Ihr seit hier jederzeit willkommen. Aber sagt uns bitte vorher Bescheid, denn es ist schon heftig, dass sie uns gesagt haben, es kommen etwa 500. Da muss eine Null auf dem Weg verloren gegangen sein, denn es kamen 5000!“(Die komplette Rede findet Ihr übrigens hier http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2018/03/10/palabras-de-las-mujeres-zapatistas-en-la-clausura-del-primer-encuentro-internacional/ auf Spanisch.)

Die Compas der EZLN. Während die männlichen* Soldaten der zapatistischen Armee das Gelände von außen sicherten, sorgten die weiblichen* Soldatinnen auf dem Treffen selbst für Ordnung.

Immer offen für Anregungen. Schon während des Treffens begannen die Zapatistas damit, Ideen und Vorschläge der Teilnehmenden entgegenzunehmen. In ihrer Abschlussrede versprachen sie, alles durchzugehen und Verbesserbares zu verbessern. Auch diese Haltung wollen wir mitnehmen – falls Ihr also Verbesserungsvorschläge für Feminism Unlimited habt, sagt Bescheid 😉

„Desde las montañas del sureste mexicano.“ Aus den Bergen im Südosten Mexikos. So verabschiedet sich die EZLN zumeist in ihren Kommuniqués – und so sehen diese Berge aus:

In  diesem Sinne:

Sale y vale.

Desde las montañas del sureste mexicano.

Gracias compas!