Hilde Radusch

Hilde Radusch (1903-1994) war eine lesbisch lebende und politisch aktive Person, die von der politischen Macht ihres Geschlechts überzeugt war. Hilde setzte sich gegen gängige Geschlechterkonventionen ein (vgl. Q1) und war bereits im Alter von 25 Jahren Mitbegründerin des Roten Frauen- und Mädchenbundes (vgl. Q4). Die Gruppe L 74, in der Hilde Radusch mitwirkte, wollte Frauen* einen Raum bieten, in dem sie sich mit ihrer (Homo-)Sexualität auseinandersetzten können. Ein solcher Raum war dringend notwendig, da sie von Psychiater*innen und Ärzt*innen starke Stigmatisierung erfuhren und für krank erklärt wurden. Zudem sollten Frauen* in der Gruppe bestärkt werden, sich gegen die gängigen Methoden von Zwangsheterosexualisierung und Diskriminierung im Berufsleben zur Wehr zur setzen (Q2, S. 18). Im höheren Alter gehörte sie zu den Mitbegründerinnen des Frauenforschungs-, -bildungs- und informationszentrum – FFBIZ (1987), das bis heute in Berlin ansässig ist und Frauen*geschichte archiviert. Zur selben Zeit ging sie diverser literarischer Tätigkeiten nach. (vgl. Q4).
In der Berliner Kommunistischen Partei Deutschlands – KPD wurde Hilde Radusch ab 1925 aktiv (vgl. Q1), von 1929 bis 1932 war sie Stadtverordnete (vgl. Q4). „Sie liebte Demonstrationen und bildete Frauen im Aufmarschieren aus, schrieb für die Zeitung Frauenwacht und hielt Reden auf den Veranstaltungen des Bundes. “ (Q1) Auch bei ihrer Lohnarbeit in der Post engagierte sie sich und war als Betriebsrätin tätig. Durch das Nazi-Regime verlor sie ihre Stelle bei der Post. Für ihre politische Haltung riskierte sie weitergehend auch ihr Leben und wurde von der Gestapo verfolgt (vgl. Q1).

Hilde Radusch setzte sich nach dem Nationalsozialismus unermüdlich u.a. im Bezirksamt Schöneberg in der Abteilung Opfer des Faschismus ein. Die Ecke Eisenacher Str./ Winterfeldstr. wurde ihr 2012 als Gedenkort gewidmet – hier lebte und verstarb sie 1994 (vgl. Q1 und Q4). „Hilde Radusch ist eine der wichtigsten Protagonist*innen der lesbisch-schwulen Bewegung in Deutschland – sie war eine Frauenrechtlerin und Feministin, eine streitbare Politikerin und Antifaschistin“ (vgl. Q5) – „Nicht Opfer, sondern Kämpferin“ (Q3).

Hier könnt ihr den Flyer herunterladen und Frauen*geschichte sichtbar machen:

Hilde Radusch

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Quellen: 
Q1 https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/akteuerinnen/hildeXXXXX eingesehen am 17.02.2019
Q2 RADUSCH, Hilde (1981): Lesben-Gruppe L (Lesbos) 74 In. GASSEN, Gisela (1981): Wohin geht die Frauenbewegung? Fischer Verlag.17-24.
Q3 RADUSCH, Hilde (X) „Nicht Opfer, sondern Kämpferin“ In SCHOPPMANN, Claudia (1993): Zeit der Maskierung: Lebensgeschichten lesbischer Frauen sichtbar machen. Orlanda Frauenverlag. S. 32-41.
Q4 http://www.denktafeln.de/hilde-radusch-gedenkort.htm, eingesehen am 17.02.2019
Q5 https://mh-stiftung.de/biografien/hilde-radusch, eingesehen am 17.02.2019
Bildquelle: https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/akteurinnen/hilde-radusch