Heute ist der 8. März – internationaler Frauen*kampftag. Vor 100 Jahren erkämpften Feminist*innen in Deutschland und anderen Staaten das Frauen*Wahlrecht. Für das, was heute selbstverständlich erscheint, musste hart gekämpft werden – und mehr als nur eine Schaufensterscheibe zu Bruch gehen. Vor 50 Jahren kämpften Feminist*innen für sexuelle und körperliche Selbstbestimmung – und brachten damit die alte Ordnung ins Wanken. Sie erstritten sich Freiräume, Zugang zu Bildung und Beruf und machten das Private zum Politischen. Auch hier blieb nicht alles heile.

Was damals radikale Forderungen waren, die hart erkämpft werden mussten, scheint heute für viele selbstverständlich. Aber wir haben noch lange nicht genug. Wir wollen mehr! Denn trotz aller unbestreitbaren Errungenschaften: Noch immer gibt es keine sexuelle und körperliche Selbstbestimmung. Noch immer gibt es kein Recht auf die Wahl des eigenen Geschlechts. Noch immer sind Frauen* und LGBTIQ besonderen Gewaltverhältnissen ausgesetzt – Gewalt, die in der Gesellschaft hingenommen oder gar legitimiert wird. Noch immer gibt es Ausbeutung, soziale Ungleichheit und geschlechtliche Arbeitsteilung.

Die mutigen Aktionen unserer kämpferischen Vorreiter*innen haben gezeigt, dass höfliches Bitten nicht ausreicht. Der Kampf für unsere Freiheit braucht den Regelübertritt, braucht den Ungehorsam. Wir müssen für unsere Freiheit radikal einstehen – damals wie heute! Um den internationalen Frauen*kampftag gebührend einzuläuten und aktuelle Auseinandersetzungen sichtbar zu machen, haben wir deshalb seit Anfang der Woche in verschiedenen Städten Aktionen durchgeführt.

In Berlin haben wir dem Denkmal des Antifeministen und deutschen „Turnvaters“ Friedrich Ludwig Jahn einen Besuch abgestattet. Heute ist vieles anders als zu Zeiten Jahns – und manches doch auch gleich: Die neue Rechte ist im Aufwind, die AfD macht Rassismus und Antifeminismus wieder salonfähig. Schluss mit dem reaktionären Backlash!

https://www.facebook.com/berlin.il/videos/1856575341082273

In Darmstadt haben wir sexistische Werbung umgestaltet – und in Solidarität mit den kämpfenden Frauen* in Kurdistan YPJ-Flaggen in der Stadt verteilt. Jin, Jiyan, Azadi!

In Frankfurt (http://radikallinks.org/content/für-das-recht-auf-körperliche-selbstbestimmung) haben wir uns christlich-fundamentalistischen Abtreibungsgegner*innen entgegen gestellt, die seit Wochen Beratungsstellen zum Schwangerschaftsabbruch belagern. Für das Recht auf körperliche Selbstbestimmung!

In Heidelberg haben wir Burschenschaften und Verbindungen markiert. Diese sind nicht nur ein Hort des Antifeminismus und wichtiges Bindeglied innerhalb der rechten und rechtskonservativen Szene. Als Elitenetzwerke tragen sie vielmehr auch zur Reproduktion von Ausbeutung, sozialer Ungleichheit und geschlechtlicher Arbeitsteilung bei. Männerbünde auflösen!

In Leipzig haben wir in Parks und Wohngebieten in verschiedenen Stadtteilen unsere Spuren hinterlassen, um feministische Inhalte im Stadtbild sichtbar zu machen. Für einen Alltag ohne Sexismus und sexualisierte Gewalt!

Auch in anderen Orten waren wir in den Straßen. Wir haben Geschäfte markiert, die dem Motto „Sex sells“ treu bleiben, weibliche* Körper zu Objekten machen und Sexualität kapitalistisch vermarkten. Vielerorts haben wir mit unserer Plakatserie (http://www.interventionistische-linke.org/beitrag/100-jahre-frauenwahlrecht-wir-wollen-mehr) unsere Botschaften auf die Straße (http://www.feminism-unlimited.org/100-jahre-frauenwahlrecht-wir-wollen-mehr/) getragen: Für sexuelle und körperliche Selbstbestimmung, für das Recht auf die Wahl des eigenen Geschlechts! Gegen Ausbeutung, Ungleichheit und geschlechtliche Arbeitsteilung! Schluss mit sexualisierter Gewalt! Nein heißt Nein!
Uns eint die rebellische Hoffnung auf eine befreite Gesellschaft. Die Geschichte zeigt, dass sich Vehemenz und Radikalität lohnen! Morgen ist Frauen*kampftag. Jeder Tag ist Frauen*kampftag! Für ein queer-feministisches Jahr 2018!

In vielen Städten beteiligen wir uns in den nächsten Tagen an Demos und Veranstaltungen zum Frauen*kampftag! Für einen Überblick siehe https://www.feminism-unlimited.org/karte-frauenkampftag/