Es sieht düster aus in Deutschland und vielen anderen Ländern weltweit: antifeministische, rassistische, ableistische und antisemitische Positionen artikulieren sich immer hörbarer im öffentlichen Raum, werden gesellschaftlich sagbarer und finden Eingang in Parlamente und Regierungshandeln. In Deutschland versuchen AfD, Pegida, Identitäre Bewegung und KonsortInnen, die kapitalistische Krise zur Identitätskrise zu erklären – Schuld an der verallgemeinerten Unsicherheit seien nicht der Abbau des Sozialstaates, sinkende Arbeitnehmer*innenrechte, niedrige Löhne und gestiegene Leistungsanforderungen, Schuld seien Feminismus und Einwanderung, die die weiße deutsche, heterosexuelle cis-Identität untergraben! (Neu-) Rechte Kräfte versuchen auf diese Weise, emanzipatorischen Freiheitsforderungen verschiedenster feministischer und antirassistischer Strömungen gegen die Gesamtgesellschaft in Stellung zu bringen.
Vereinzelt sehen wir auch (neu-) rechte Versuche, den Feminismus-Begriff in rassistischer und anti-emanzipatorischer Weise zu vereinnahmen. Gemeint ist damit beispielsweise das alte koloniale Bild von der weißen (cis-) Frau, die vor vermeintlichen Schwarzen Sexualstraftätern geschützt werden müsse – durch Grenzschließungen und Abschiebungen.
Mehr noch: Auch Personen außerhalb des offensichtlich rechten Spektrums wie Alice Schwarzer, die zumindest in Deutschland nach wie vor für große Teile der Gesellschaft „den“ Feminismus zu repräsentieren scheinen, hauen in die gleiche Kerbe. Mit Pauschalisierungen über „den“ Islam sowie dessen Glaubensangehörige bedient sie rassistische Klischees und lenkt von der dringend notwendigen Debatte über sexualisierte Gewalt (egal von wem) ab.

Da machen wir nicht mit! Feminismus ist der Kampf für die Freiheit und Gleichberechtigung aller Geschlechter, unabhängig von race, sozialer Herkunft und (Dis-) Ableisierung! Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen – wir sind unterschiedlich und haben vielfältige Forderungen, wir debattieren miteinander, doch wir kämpfen auch gemeinsam! Unser Kampf richtet sich gegen die patriarchalen, rassistischen und kapitalistischen Praxen und Strukturen der Gesellschaft. Auf diesem Weg gibt es noch viel zu tun.

So ist zum Beispiel Abtreibung in Deutschland immer noch eine Straftat (§218, sie wird aktuell nur unter bestimmten Bedingungen nicht geahndet), in Irland und Polen ist sie praktisch ganz verboten. Sexualisierte Gewalt wird öffentlich vor allem dann besprochen, wenn sie vermeintlich oder tatsächlich von nicht-weißen Personen ausgeht. Tatsächlich ist in Deutschland aber die Mehrheit der Täter weiß und kommt häufig aus dem familiären Umfeld. Es geht weder darum, woher der Täter kommt noch wie sich die betroffene Person kleidet oder verhält. Es geht um patriarchale Strukturen, die unsere und auch andere Gesellschaften prägen und die es abzuschaffen gilt. Homofeindlichkeit grassiert noch immer und nimmt in den vergangenen Jahren wieder zu. Trans*feindlichkeit ist weiterhin ein deutscher Normalzustand und wird kaum thematisiert. Hier gibt es im Übrigen auch in zahlreichen sich selbst als feministisch bezeichnenden Kreisen Nachholbedarf. Ebenso, wenn es um die Verteilung von Care- und Hausarbeit geht. Quotierungen und Elitenfeminismus haben dazu geführt, dass nun mehr „weibliche Führungskräfte“ in den Chefetagen und Vorstandszimmern sitzen. Doch dieser Fortschritt geht zu Lasten von prekarisierten und migrantisierten Frauen*, auf deren Rücken die Drecksarbeit derjenigen abgewälzt wird, die Karriere machen. Wir wollen es uns nicht in den neoliberalen Verhältnissen bequem machen, sondern sie abschaffen. Diese Liste ließe sich noch einige Zeit fortführen.

Am besten aber tragen wir sie heute gemeinsam mit tausenden Menschen weltweit auf die Straßen, vielfältig und entschlossen! Auf der Karte findet Ihr Aktionen, die in verschiedenen deutschen und österreichischen Städten stattfinden, in Berlin werden wir ab 17 Uhr am Hermannplatz dabei sein.

Keine Emanzipation ohne die der Gesellschaft! Wir sehen uns auf der Straße!