Brauchen wir Feminismus im 21. Jahrhundert überhaupt noch?

Heute gibt es eine gesetzliche Gleichstellung der Geschlechter und das Frauenbild ist in der Regel auch nicht mehr so wie in den 1950er Jahren. Doch trotz aller Fortschritte, die übrigens von feministischen Bewegungen erkämpft wurden, verdienen Frauen* im Schnitt immer noch 21 % weniger als Männer. Auch ein traditionelles Familienbild lässt sich in vielen Familien noch finden. Nach wie vor sind meist Frauen* für Kinder und Haushalt zuständig. Und dennoch sind konservative und rechte Organisationen wie AfD, CDU oder Teile der Kirche dabei, die Errungenschaften der letzten Jahrzehnte anzugreifen.

Ist es ein Junge oder ein Mädchen?

Schon im Kreißsaal kriegen einige Babys ein rosa Armband und die anderen ein blaues um das Handgelenk. So wird bereits kurz nach der Geburt darüber entschieden, welche Klamotten wir anhaben sollen, wie wir uns zu verhalten haben, in wen wir uns verlieben können und was im Leben zu erreichen ist. Jungen* dürfen keine Röcke anziehen und es ist selbstverständlich, dass nur Mädchen den pinken Schulrucksack tragen können. In der Schule wird uns dann erzählt, dass Jungen* eben besser in Mathe und Mädchen* dafür künstlerisch begabter seien. Männer gelten als rationale reflektierte Wesen und Frauen* als emotional. Dabei gibt es auch viele männliche Personen, die unter Männlichkeitsidealen leiden und kein Bock haben andauernd ihren „Mann stehen“ zu müssen. Solche scheiß Stereotype ziehen sich dann durch unser ganzes Leben. Schon der Blick in die Geschichte reicht, um zu erkennen, dass es keine „natürlich“ weibliche oder männliche Eigenschaften gibt. Rollenbilder haben sich stets gewandelt und sind immer abhängig von äußeren Einflüssen wie Erziehung und Umwelt. Welche Bedeutung diesen Rollenbildern leider dennoch zukommt, zeigt besonders die Ablehnung, die Menschen entgegenschlägt, die sich nicht in eine der beiden Kategorien ein- bzw. unterordnen können oder wollen. Diese Geschlechtervorstellungen gehören auf den Müllhaufen der Geschichte!

Die Scheiße hat System

Die Rollenbilder spiegeln sich auch im Berufsbild wieder: Während Frauen* meist in schlechter bezahlten sozialen Berufen, sind Männer in gut bezahlten Posten in leitender Funktion oder im handwerklichen Bereich beschäftigt. Zudem müssen sich Frauen* oft noch um Haushalt und Familie kümmern. Ohne diese unbezahlte Arbeit würde der Kapitalismus nicht funktionieren, denn das System und der Staat brauchen immer wieder funktionierende Arbeitskräfte um sich reproduzieren zu können. Eine wirkliche Gleichberechtigung lässt sich also nur gemeinsam mit der Aufhebung dieser Gesellschaftsordnung erreichen. Eine positive Überwindung der kapitalistischen Verhältnisse wiederum, geht nur mit der Aufhebung der Geschlechterordnung.

Über Schlampen und Playboys

Sexistische Sprüche und Übergriffe sind Alltag, auch in Deutschland. Danach müssen sich Mädchen dann anhören, dass das ja „alles halb so wild ist“ oder gar, dass man „selber Schuld ist, wenn man sich so anzieht“. Egal welcher Ort und welche Kleidung, es ist niemals eine Einladung für solch eine Verhalten. Wenn Mädchen* oder Frauen* mit wechselnden Partner*innen ihre sexuellen Bedürfnisse ausleben, gelten sie schnell als „Schlampe“, während Typen dann schnell coole „Playboys“ sind. Und wenn Mädchen* mal kein Bock haben zu ficken, dann sind sie für Typen „prüde“ oder „verklemmt“. Es gibt keinen Grund sexuelle Bedürfnisse an den Vorstellungen von Männern zu orientieren. Sex sollte einvernehmlich sein, allen Beteiligten Spaß machen und sexistische Machtgefüge haben deswegen dort nichts zu suchen!

My body – My choice!

Andauernd wird die körperliche Selbstbestimmung von Frauen* und Mädchen* infrage gestellt. Entgegengesetzt der verbreiteten Annahmen, dass in den westlichen Ländern Abtreibung legal sei, ist sie nur straffrei (§ 218). Frauen* die eine Schwangerschaft abbrechen wollen, sind neben einem hohen Bürokratieaufwand häufig Diskriminierung und Rechtfertigungserwartungen aus Familie und Umfeld ausgesetzt.
Interessant ist, dass Abtreibungsgegner*innen meist religiös und nationalistisch argumentieren. So sieht zum Beispiel die AfD „das Überleben des eigenen Volkes“ (Frauke Petry) durch sexuelle Selbstbestimmung in Gefahr und wünscht sich von jeder deutschen Frau* drei Kinder. Rechte reduzieren damit Frauen* auf ihre Gebärfähigkeit und wollen verhindern, dass Frauen* ihr Leben selbstbestimmt gestalten. Eine der ersten Amtshandlungen Donald Trumps war die Streichung von finanziellen Mitteln für Organisationen, die Abtreibungsberatungen durchführen. In Polen wollte letztes Jahr die rechtsnationalistische Regierungspartei (PiS) Abtreibung unter Strafe stellen. Durch einen riesigen feministischen Streik der polnischen Frauen*, konnte das Gesetz jedoch vorerst verhindert werden.
Weibliche Körper gehören nicht irgendeinem Mann, Land oder Gott, sondern nur Frauen* selbst und nur Frauen* haben über sich zu bestimmen!

Ehe, Küche, Vaterland – Unsere Antwort Widerstand!

Patriarchat abschaffen! Heraus zum Frauen*kampftag!

*Wir verwenden die Schreibweise Frau*, um deutlich zu machen, dass nicht nur Menschen gemeint sind, die „biologisch“ weiblich verstanden werden, sondern alle, die sich als Frau definieren, fühlen oder verstehen, ebenso wie Menschen, die sich keinem Geschlecht zuordnen wollen oder können.