Freia Eisner

 

Freia Eisner (1907-1989) war eine Lesbe, Antifaschistin und Sozialistin (vgl. Q1, S. 24). In den sechziger-Jahren war sie in der (Frauen*-)Friedensbewegung, u. a. in der Women for World Disarmament und der Deutschen Friedensunion, engagiert (vgl. Q1, S. 25). Sie gehörte zu einem Kreis lesbischer Frauen*, zu dem u.a. Margot Hanel, Gerda Rotermund, Gertrude Sandmann und Karin Boye gehörten (vgl. Q3).

Bereits in frühen Jahren wurde sie durch ihre Familiengeschichte politisch geprägt (vgl. Q1). Ihre Mutter war die Sozialdemokratin Elsa Belli und sie war die Stieftochter von Kurt Eisner, der der erste bayerischen Ministerpräsidenten der Räterepublik war. Sie verliebte sich schon in frühen Jahren in Mädchen. Zudem brach sie mit den gängigen Geschlechterkonventionen und geriet während ihrer Zeit in Wien als hosentragende Frau mit der Polizei aneinander. Ihre eigene Mutter veranlasste, dass sie im Alter von 19 Jahren aufgrund ihrer Homosexualität und epileptischer Anfälle, die seit der Ermordung ihres Vaters regelmäßig auftraten, in eine Psychiatrie eingewiesen wurde. Aus dieser floh sie nur ein Jahr später, als ihre Mutter sie entmündigen lassen wollte. Zudem machte sie sexualisierte Gewalterfahrung durch ihren Onkel. Ihr Leben war also durch schwere Traumatisierungen geprägt und es wird vermutet, dass sie sich durch eine Überdosis Antiepileptika umbringen wollte. Im Jahr 1931 kam sie nach Berlin und musste die Stadt kurze Zeit später aufgrund der nationalsozialistischen Bedrohung wieder verlassen. Auch einige ihrer jüdischen und / oder linkspolitischen Familienangehörigen wurden verfolgt. Freia Eisner lebte in den 1920er Jahren bereits schon einmal in Berlin und war im Kunstbereich tätig. Dort entstand mutmaßlich auch das Porträt (siehe oben) bevor sie ins Exil floh (vgl. Q2). Im Jahr 1937 wurde sie durch das Nazi-Regime der deutschen Staatsbürger*innenschaft entrechtet. 1941 wollte sie Teil einer katholischen Ordensgemeinschaft in England werden, jedoch wurde ihr dies verwehrt, da ihr nachgesagt wurde, sie habe ein Verhältnis mit der Oberin (vgl. Q1, S. 24).

Ihr Leben war bestimmt von mehren Ortswechseln (vgl. Q2). Die von ihr erträumte berufliche Laufbahn im Diplomatischen Dienst, konnte sie aufgrund der Verfolgung nicht nachgehen. Nach dem Kriegsende hatte sie keine Ausbildung, holte jedoch das Abitur nach. Sie kehrte nach Deutschland zurück und wurde in der DDR als Opfer des Faschismus anerkannt (vgl. Q1, S. 24). Sie erhielt eine Rente, die ihr zuvor in der Bundesrepublik verwehrt worden war (vgl. Q1, S. 24f.). Im Jahr 1989 verstarb sie im Alter von 82 Jahren in Ost-Berlin.

Freia Eisner bezeichnete sich selbstbewusst als „kämpferische Humanistin“ – sie engagierte sich trotz gesundheitlicher Belastungen in der (Frauen*-)Friedensbewegung und verortete sich als Pazifistin (vgl. Q1, S. 25).

Hier könnt ihr den Flyer herunterladen und Frauen*geschichte sichtbar machen:

Freia Eisner

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Quellen:

Q1 LANDESSTELLE FÜR GLEICHBEHANDLUNG – GEGEN DISKRIMINIERUNG (2016): Persönlichkeiten in Berlin 1825-2006. Erinnerungen an Lesben, Schwule, Bissexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen. 24-25.

Q2 https://www.quittenbaum.de/de/auktionen/moderne-kunst/124B/alle-lose/unbekannter-malerin-portrait-der-jungen-freia-eisner-spaetere-1920er-jahre—84156/, eingesehen am 22.02.2018

Q3 http://www.lesbengeschichte.de/Pdfs/pdfs_bio_skizzen_deutsch/hanel_wolfert_d.pdf, eingesehen am 22.02.2018

Bildquelle: https://www.quittenbaum.de/de/auktionen/moderne-kunst/124B/alle-lose/unbekannter-malerin-portrait-der-jungen-freia-eisner-spaetere-1920er-jahre–84156/