Forūġ Farroḫzād

“Perhaps because no woman before me took steps toward breaking the shackles binding women’s hands and feet, and because I am the first to do so, they have made such a controversy out of me.”

Forūġ Farroḫzād (1935-1967) war eine iranische Schriftstellerin, Filmemacherin und Künstlerin. Sie wurde am 5. Januar 1935 in Teheran als Tochter des Militäroffiziers Mohammad Farroḫzād und Turan Vaziri-Tabar geboren. Als eins von sieben Geschwistern war ihre Kindheit geprägt von Gehorsam. Nach einem Studium der Malerei verliebt sie sich mit 16 Jahren in den 15 Jahre älteren entfernten Verwandten Parviz Shapur. Obwohl ihre Eltern mit der Wahl ihres Ehemannes nicht einverstanden waren, heirateten sie kurz darauf.
Ein Jahr später bekam das Paar einen Sohn. Während dieser Zeit publizierte Farroḫzād ihr erstes Gedicht in der angesehen Literaturzeitschrift Roshanfekr. Ihr Mann ließ sie zwar schreiben, jedoch verlangte er von ihr gleichzeitig, dass sie ihre „häuslichen Pflichten als Ehefrau“ erfüllte.
Der Status als Ehefrau verlieh ihr zwar einige Freiheit, was das publizieren ihrer Gedichte anging, jedoch fühlte sich Farroḫzād zunehmend eingeschränkt, was sie auch in dem Gedicht Captive zum Ausdruck bringt:

„I think about it and yet I know
I’ll never be able to leave this cage
Even if the warden should let me go
I’ve lost the strength to fly away“

Das Gedicht schockierte die iranische Öffentlichkeit, denn noch nie zuvor wurden Sehnsüchte und sexuelle Wünsche so frei ausgedrückt und erst recht nicht aus der Sicht einer Frau*. Nach drei Jahren Ehe verließ sie ihren Mann und verlor das Sorgerecht für ihren Sohn.

1954 begann sie eine Affäre mit Nasser Khodayar, dem Chefredakteur der Zeitschrift Roshanfekr, die sie in ihrem Gedicht The Sin beschreibt und durch dessen Veröffentlichung sie in den Fokus negativer Aufmerksamkeit geriet. Nach dem Ende der Affäre publizierte Khodayar eine Reihe von Kurzgeschichten, in denen er öffentlich denunzierte. In Folge dessen erlitt sie einen mentalen Zusammenbruch und unternahm einen Selbstmordversuch. Nach einem längeren Klinikaufenthalt ging es ihr schließlich besser und sie reiste für neun Monate nach Europa.
Von dort kehrte sie mit neuem Selbstbewusstsein zurück und richtete ihre Gedichte nun zunehmend gegen die patriarchal geprägte iranische Gesellschaft (1).
1958 arbeitete Farroḫzād als Assistentin in den Golestan Filmstudios und begann eine Affäre mit dem verheirateten Ebrahim Golestan. Die beiden hatten eine tiefe emotionale Verbindung und er unterstützte sie in ihren Vorhaben. Der Skandal in der Literaturszene, der auf diese Affäre folgte und die dauerhafte Belastung durch die Trennung von ihrem Sohn führten zwei Jahre später zu ihrem zweiten Selbstmordversuch.
1962 produzierte Farroḫzād die hochgelobte Kurzdokumentation The House is Black über eine Leprakolonie in der sie 12 Tage verbrachte. Die Kolonie wird als Sinnbild für die iranische Gesellschaft verstanden.
1964 erschien ihr (zu Lebzeiten) letzter Gedichtband Another Birth. Am 13. Februar 1967 starb Forūġ Farroḫzād mit nur 32 Jahren bei einem Autounfall.

Forūġ Farroḫzād hatte ihr ganzes Leben lang damit zu kämpfen, dass die Wahrnehmung ihrer künstlerischen Werke immer durch ihr Geschlecht beeinflusst, also immer mit der ihr zugeschriebenen Rolle als Frau* in Verbindung gebracht wurden.

“What is important is humanity, not being a man or a woman. If a poem can get to that point, it is no longer connected with its creator but with a world of poetry.”

Ihre Gedichte waren geprägt von persönlichen Gedanken und Gefühle, über Themen wie (weibliches*) Verlangen, ihre Stellung als Frau* in einer patriarchalen Gesellschaft, bis hin zu sozialkritischen Themen. Nach dem Sturz der iranischen weltlichen Monarchie 1979 hat die Islamische Republik ihre literarischen Werke für fast zehn Jahre gebannt. Diese Zensur hatte zur Folge, dass Forūġ Farroḫzād für die nächste Generation eine Ikone künstlerischer, persönlicher und sexueller Freiheit wurde.

(1) Anzumerken ist hier, dass nicht nur die iranische Gesellschaft patriarchal geprägt ist, sondern das patriarchale Strukturen immer als globales Problem zu begreifen sind. Forūġ Farroḫzād hat sich in ihren Werken aber vor allem auf die iranische Gesellschaft bezogen.

Hier könnt ihr den Flyer herunterladen und Frauen*geschichte sichtbar machen:

Forūġ Farroḫzād

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Quellen:
https://www.nytimes.com/2019/01/30/obituaries/forough-farrokhzad-overlooked.html

http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/forugh-farrochsad-farrokhzad/

http://culturmag.de/litmag/litmag-weltlyrik-forugh-farrochsad/78286

https://de.wikipedia.org/wiki/Forugh_Farrochzad#Biografie

Bildquelle: https://middleeastrevised.files.wordpress.com/2014/04/forugh.jpg