Zum Anlass des internationalen Frauenkampftages am 8. März wurden in der Nacht auf Mittwoch im Jungbusch sechs Straßen nach Frauen umbenannt, deren Wirken bisher zu wenig Aufmerksamkeit erfahren hat. Die von Mitgliedern verschiedener linker Gruppen durchgeführte Kunstaktion ist ein Versuch, Frauen in einer von Männern dominierten Welt sichtbarer zu machen. Wir dokumentieren hier die Erklärung:

Warum es notwendig ist, weibliche Persönlichkeiten in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen:

Wir leben in einer Gesellschaft in der der Mann immer noch in zahlreichen Kontexten als die gesellschaftliche Norm gilt. Stillschweigend wird der Mensch als Mann gedacht und die männliche Sicht der Dinge als die allgemeingültige gesetzt. Das Handeln von Frauen* [1] und ihre Bedürfnisse werden dadurch im Alltag nicht nur als Abweichung von der Norm wahrgenommen, sondern sogar ausgeblendet. Ihre Taten erhalten hierdurch weniger Aufmerksamkeit und Anerkennung.

Historisch gesehen wurden die Leistungen von Frauen* regelrecht verschleiert. Selbst wenn Frauen* grundlegend an der Entwicklung und Durchsetzung von gesellschaftlichen Fortschritten, technischen Erfindungen etc. beteiligt waren, wurden sie meist nur als Ehefrauen, Töchter oder Schwestern berühmter Männer erwähnt.

Besonders deutlich lässt sich dies an der Auswahl von Straßennamen erkennen. Ein kurzer Blick auf den Stadtplan von Mannheim genügt, um festzustellen, dass ein deutliches Ungleichgewicht zwischen den nach Männern und Frauen* benannten Straßen besteht.

Zum Anlass des internationalen Frauen*kampftages wurden im Jungbusch sechs Straßen in einer kreativen Protestaktion nach Frauen* umbenannt, deren theoretisches wie praktisches gesellschaftliches Wirken bisher wenig bis keine Aufmerksamkeit erfahren hat. Diese Aktion ist ein Versuch, Frauen* in einer von Männern dominierten Welt sichtbar zu machen und dem von Männern gemachten Ideal der „passiven Frau“ etwas entgegenzusetzen.

Abgebildet werden sechs Frauen* unterschiedlicher Herkunft, gesellschaftlicher Schicht und politischer Ausrichtung, denen jedoch allen ein Gespür für Ungerechtigkeit und der Wille, gegen diese anzukämpfen, gemein war [2]. Auf vielfältige Weise haben sich diese Frauen* nicht nur für Frauen*rechte, sondern generell für eine gerechtere Gesellschaft eingesetzt.

Der internationale Frauen*kamftag existiert seit über hundert Jahren und dient dazu, die Unterdrückung und sozialen Kämpfe von Frauen* und FLIT*-Personen aufzuzeigen und internationale Solidarität aufzubauen. Durch Errungenschaften wie das Frauen*-Wahlrecht, gleiche Chancen auf Bildung und Selbstbestimmung über Sexualität und den eigenen Körper, gehen viele Menschen davon aus, dass der Feminismus seine Aufgabe erfüllt und somit ausgedient hätte. Doch dies ist ein Trugschluss. Trotz dieser Errungenschaften besteht weiterhin eine ungleiche Verteilung von Ressourcen, Macht und Teilhabe zwischen den Geschlechtern.

Darüber hinaus befindet sich sowohl das vermeintlich aufgeklärte Europa, als auch die USA gerade in einem gesellschaftlichen Rückschritt: So werden derzeit Debatten um sexualisierte Gewalt instrumentalisiert, um Rassismus gegenüber Geflüchteten zu legitimieren, während von nicht-migrantischen Männern ausgeübte sexualisierte Gewalt weiterhin verharmlost wird. Darüber hinaus machen verschiedene neurechte Strömungen wie AfD oder christliche FundamentalistInnen gegen die erkämpften, feministischen Errungenschaften mobil: Es werden veraltete, zweigeschlechtliche Rollenbilder propagiert, die Frauen* in erster Linie auf ihrer Mutterrolle und das Handeln in der häuslichen Sphäre reduzieren. Das Recht auf Abtreibung und Selbstbestimmung wird Frauen* abgesprochen und Homosexualität als unnatürlich abgewertet. Durch den wirtschaftlichen Kurs der AfD werden die Lebensbindungen der mittleren und unteren Einkommensschichten verschärft. Auch hier sind Frauen* verstärkt betroffen, da diese tendenziell mehr unter prekären Arbeitsbedingungen leiden und somit ein erhöhtes Risiko haben, in finanzielle Abhängigkeit und Verarmung gedrängt zu werden.

Diese gesellschaftlichen Missstände und den stattfindenden reaktionären Rückschritt dürfen wir nicht stillschweigend akzeptieren. Feministische Kämpfe wirken sich nicht nur für Frauen*, sondern langfristig für alle Teile der Gesellschaft positiv aus. Es geht um ein besseres Leben für alle!

[1] Mit dem „*“ wollen wir auf die konstruierte gesellschaftliche Zweigeschlechtlichkeit von Mann und Frau hinweisen, welcher eine Vielzahl von Geschlechtern und Sexualitäten entgegensteht.
[2] Kurzbiographien zu den Frauen* findet ihr hier: http://kollektiv.blogsport.de/2017/03/08/8-maerz-feministische-kunstaktion-in-mannheim-jungbusch-zum-frauenkampftag/