Adélaïde Herculine Barbin

Adélaïde Herculine Barbin (1838 – 1868) wurde am 8.November 1838 geboren (vgl. Mak, 2012, S.67). Heute steht ihr Geburtstag für den Intersex Day of Remembrance (vgl. Rolker, 2016).
Denn Adélaïde Herculine Barbin sollte durch die damals vorherrschenden binären Geschlechtervorstellungen nur ein kurzes Leben vergönnt sein.
Bei ihrer Geburt wurde Adélaïde das weibliche Geschlecht zugeschrieben. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie in einem Kloster. Während ihrer Jugend litt Adélaïde Herculine Barbin unter immer wiederkehrenden Schmerzen, zudem bemerkte sie weitere Veränderungen an ihrem Körper, die für ihren als weiblich konnotierten Körper nicht vorgesehen waren.

Später ergriff sie den Beruf der Lehrerin und arbeitete an einer Mädchenschule. Dort verliebte sich sich in Sara, die Tochter eines Kollegen, mit der sie eine Beziehung einging. Das war auch der Zeitraum indem sie sich entschloss sich einer Person anzuvertrauen und über ihren Körper zu sprechen. Da Adélaïde in einem äußert religiösen Umfeld groß wurde, suchte sie bei einem Bischof Rat. Dieser schickte sie zu einem Arzt, der sie untersuchte und zum Mann erklärte. Dieses Urteil sollte Adélaïde Herculine Barbins Leben mit einem Schlag verändern. Aus Adelaide wurde Abel und den Beruf der Lehrerin konnte sie nun nicht weiter ausüben. Auch ihre Beziehung zu Sara musste sie aufgeben (vgl. Foucault, S.80ff.; vgl. Mak, 2012, S. 67f.). Adélaïde zog schließlich nach Paris, wo sie sich kurze Zeit später das Leben nahm. Das dies unmittelbar mit dem zuvor erhaltenen ärztlichen Urteil und der damit verbunden starren binären Geschlechterordnung zusammenhing scheint mehr als wahrscheinlich.

Adélaïde Herculine Barbin, hatte viele Namen; neben ihrem Geburtsnamen wurde sie von Freund*innen Alexina genannt, in Paris lebte sie schließlich unter dem Namen Abel. In den Memoiren, die sie hinterließ, wurde der Unisex-Name Camille verwendet. In diesen Memoiren beschreibt Adélaïde ihre Situation und die damit verbundene Trauer über den plötzlichen Lebensumschwung und hinterließ damit etwas für die Ewigkeit (vgl. Rolker, 2016).

Adélaïde Herculine Barbin wurde in ein binäres Weltbild gedrängt und musste dafür alles hinter sich lassen. Ihr Leben endete viel zu früh.

Adélaïde Herculine, Camille, Alexina, Abel Barbin schrieb Geschichte!

Hier könnt ihr den Flyer herunterladen und Frauen*geschichte sichtbar machen:

Adélaïde Herculine Barbin

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Quellen:

Foucault, Michel (2013) : Herculine Barbin. Knopf Doubleday Publischung Group.
Mak, Geertje (2012) : Doubting Sex : Inscriptions, Bodies and Selves in Nineteenth-century Hermaphrodite Case Histories, Manchester University Press, Manchester.

Rolker, Christopf (2016) : Intersex Day of Remembrance: Adélaïde Herculine alias Alexina alias Camille alias Abel Barbin. Online abrufbar unter: http://intersex.hypotheses.org/4501 (zuletzt aufgerufen am 24.02.18).